750 Euro für ein Grundrecht

IG Metall Deutschland

10.05.2012 Ein Grundrecht ist bei der Firma PMG in Füssen 750 Euro wert

Eine Prämie in Höhe von 750 Euro wurde den Beschäftigten der Firma PMG in Füssen geboten, sollten sie sich nicht an Arbeitskampfmaßnahmen beteiligen, die momentan im Rahmen der Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie stattfinden. "Uns liegt ein Schreiben des Geschäftsführers Herrn Rasch an die Beschäftigten vor, in welchem diese aufgefordert werden, sich in diesem Jahr an keiner Arbeitskampfmaßnahme zu beteiligen", so Dietmar Jansen 1. Bevollmächtigter der IG Metall Kempten. Jansen weiter: "Das ist im ganzen Allgäu noch nicht passiert, dass ein Geschäftsführer versucht mit Geld den Beschäftigten ein Grundrecht unserer Demokratie abzukaufen."

"Die Geschäftsführung bei PMG plant, das tarifvertraglich gesicherte Leistungsentgelt zu streichen. Im Gegenzug bietet sie eine unsichere erfolgsabhängige Prämie an", erläutert Jansen, "wir haben angeboten nach der Tarifrunde in Gespräche über tarifliche Möglichkeiten beim Leistungsentgelt einzutreten, jedoch war das anscheinend nicht genug."

Der Druck auf die Beschäftigten bei der Firma PMG wächst weiter. Am 26. April 2012 erfolgte der Austritt der Firma aus dem Arbeitgeberverband vbm ( Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ) "Der Austritt aus dem Arbeitgeberverband ist ein Angriff auf die Arbeitsbedingungen", so Jansen, " nicht nur, dass zukünftige Tarifabschlüsse keine Anwendung mehr finden, auch die bestehende Tarifverträge werden in Frage gestellt und das meist so, dass Kürzungen bei Entgelt oder Arbeitszeitverlängerung ohne Entgeltausgleich anstehen."

Des Weiteren wird von Seiten der Geschäftsführung eine, aus Sicht der IG Metall völlig unbegründete, Klage gegen die Person des Betriebratsvorsitzenden geführt. In zahlreichen Emails und Anschreiben wird der Betriebsrat regelmäßig auf angebliches Fehlverhalten hingewiesen und auf die rechtlichen Konsequenzen, die das Unternehmen gegen ihn ergreifen wird. "Das wird dazu genutzt, den Betriebsrat und die Belegschaft weiter zu verunsichern", stellt Jansen fest, "hier soll die Interessensvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Betrieb systematisch außer Kraft gesetzt werden."

"Wir sind auch an den neuen Inhaber von PMG sowie an die Geschäftsführung der PMG Holding herangetreten, um über die Vorgänge hier am Standort Füssen zu informieren. Allerdings hat die Belegschaft und der Betriebsrat von dieser Seite keine Unterstützung zu erwarten" so Jansen.

Über Aushänge am schwarzen Brett werden von der Geschäftsführung Streikszenarien förmlich heraufbeschworen. "Anscheinend wünscht sich die Geschäftsführung gerade zu Arbeitskampfmassnahmen, denn mit einer sachlichen Auseinandersetzung hat das nichts mehr zu tun, geschweige denn mit einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsführung und der Interessensvertretung der Mitarbeiter", sagt Jansen," eher mutet das wie ein persönlicher Rachefeldzug von Seiten des Geschäftsführers Christian Rasch gegen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihren Betriebsrat sowie gegen die IG Metall an."

Seit Jahren haben die Beschäftigten im Rahmen von Sanierungstarifverträgen mit Ihrem Verzicht und Engagement das wirtschaftlich gebeutelte Unternehmen unterstützt und somit die Arbeitsplätze am Standort gesichert. "Das ist nun der Dank für den Einsatz der vergangenen Jahre", so Jansen, "wir werden gemeinsam mit unseren Mitgliedern und dem Betriebsrat alles tun um vernünftige Arbeitsbedingungen sowie die Tarifverträge zu erhalten."

Letzte Änderung: 14.11.2012